Eine unbequeme Wahrheit: EHEC oder das Geschäft mit unserer Gesundheit – Teil 2

Noch immer beherrscht EHEC die tägliche Berichterstattung in den Medien.

Und immer noch gibt mehr Fragen als Antworten.

Die aktuell durch die WHO für Deutschland gemeldeten 2100 Krankheits- und Verdachtsfälle und 560 HUS Fälle (die schwere Verlaufsform, die zu Nierenversagen und zum Tod führen kann) geben keinen Anlass zur „Entwarnung“. Wenn auch eine Meldung vom heutigen Tage Anlass zur Hoffnung gibt. Eine neue Infektionsquelle wurde entdeckt.
Meinen Artikel „Eine unbequeme Wahrheit: EHEC oder das Geschäft mit unserer Gesundheit“ setze ich deshalb hier mit einem Überblick über Berichte, Erkenntnisse und Fragen fort.

EHEC Epedemie:

Wer hier den möglichen Ursachen und Hintergründen auf die Spur kommen möchte, muss zum Detektiv werden.

In der Kriminalistik legt man für einen Serienmörder ein „Profil“ an. EHEC in seiner jüngst identifizierten Form erscheint uns wie eine Art Serienmörder und der Deutschen liebstes  Revolver-Blättchen schreibt dann auch vom „Killer“. Warum aber ist die Ursachensuche so einseitig auf die Essgewohnheiten ausgerichtet, warum wendet man kein breiteres Profiling an?
Schon werden Forscher angeführt, die meinen, dass man die Ursache vielleicht nie findet. Wenn die Suche so einseitig bleibt  ist das vielleicht wirklich so.

Was sich in den letzten Tagen bestätigt hat, war mein Gedanke, dass der Ausschluss möglicher Infektionsquellen leichtfertig war.

Die spanischen Gurken sind unschuldig und der Ruf der spanischen Bauern und vor allem der Absatz ihres Gemüses hart angeschlagen. Aber auch unsere Bauern leiden unter der Gemüse-Vorverurteilung. Die Preise sinken, der Verkauf stagniert trotzdem. Die Angst geht um, denn die  Warnungen bleiben offen bestehen. Untersuchungen hätten ergeben, dass bei dem Verzehr von Gurken und Tomaten eine 90prozentige Übereinstimmung zu finden sei.

Die 90prozentige Übereinstimmung für den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalaten hätte man sicher auch in der gesunden Gesamtbevölkerung gefunden. Indizien – keine Beweise.

Was es Neues zum Wundermittel Eculizumab / Solaris gibt, welche neuen Theorien und Erkenntnisse zu EHEC vorliegen und mehr erfahren Sie hier über die fortgeführte Chronologie der Berichterstattung und aus den ergänzend einfügten Informationen. Eigene Gedanken zum Geschehen sind als Anmerkungen eingeflossen.

Die Chronologie der Berichterstattung zur EHEC Epedemie:

Fortsetzung:

Tag  zehn – 29.05.2011:

Mediziner warnen vor falschen Hoffnungen heißt es an diesem Tag zu Eculizumab in der Berliner Morgenpost. Focus meldet in einer Kurznachricht: „Aigner: Deutsche sollten weiter auf Rohkost verzichten„. Die Augsburger Allgemeine schreibt: „Höhepunkt der Infektionswelle nicht erreicht“. Inzwischen sind 10 Menschen verstorben und es gibt mehr als 1000 Verdachtsfälle.  Die Panik hat auf unsere österreichischen Nachbarn übergegriffen. So berichtet Heute.at EHEC-Keime: Alarm in unseren Bio-Märkten!“ Ein weiterer Bericht bei unseren Nachbarn: Österreich startet Rückruf von spanischem Biogemüse. NTV: 1200 Verdachtsfälle – Bund beruft Krisensitzung ein.

Tag  elf – 30.05.2011:

„Hier geht es zwar um einen potenziell lebensgefährlichen Erreger, doch ich warne vor Panikmache“ zitiert der Focus den Vizepräsident der Bundesärztekammer, Frank-Ulrich Montgomery, der dies gegenüber den Passauer Nachrichten äußerte. Focus berichtet auch über den Aufruf zur Blutspende des Deutschen Roten Kreuzes.

Tag  zwölf – 31.05.2011:

EHEC: Negative Gurken und die Suche von vornlautet eine Schlagzeile in der Ärztezeitung. Erster EHEC-Fall in Spanien berichtet Arena, die Deutsche Tageszeitung der nördlichen Costa Brava. Während dessen rügt, laut einem Artikel in Welt online, Polen das EHEC Krisenmanagement. Die BZ berichtet über die erste Tote außerhalb Deutschlands. Derweil ist es Forschern am Universitätsklinikum Münster gelungen einen Schnelltest für EHEC zu entwickeln, wie einem Artikel in Focus online zu entnehmen ist.

Tag  dreizehn – 01.06.2011:

Sprachstörungen, Epilepsien, Krampfanfälle – Agressive EHEC Infektion erschüttert Mediziner – heißt es in einem Artikel im Spiegel. Welt online berichtet, dass es wieder mehr EHEC Infektionen gibt. Die Angst vor der Seuche zieht ihre Kreise: Russland stoppt Gemüseimporte berichtet das Hamburger Abendblatt.

Tag  vierzehn – 02.06.2011:

Spanische Bauern sind extrem verärgert heißt es in einem Artikel bei Welt online. Der spanische Gurkenalarm hatte zu starken Umsatzausfällen geführt. Aber auch unsere deutschen Bauern blieben nicht verschont. EHEC: „Situation medizinischer Hilflosigkeit“ lautet eine Überschrift in der Ärztezeitung. Ein sprunghafter Anstieg der EHEC Verdachtsfälle von 1.500 auf 2.000 ist zu verzeichnen, die Zeit berichtet. Das UKE entschlüsselt mit Hilfe chinesischer Forscher den EHEC Erreger. Bericht im Spiegel.

Tag  fünfzehn – 03.06.2011:

Neue Anschlagstheorie des Berliner Hygiene-Experte Klaus-Dieter Zastrow  in der BILD. Auch über ein Bundesweites Register für EHEC-Behandlungsergebnisse berichtet das Blatt in einer Kurznachricht. „In aller Regel erfolgt eine Infektion über Fleischverzehr.“ Eine Übertragung durch Gemüse sei „eher selten“, betonte der LGL-Präsident.<< ist in der Berliner Morgenpost zu lesen.  17 Todesfälle und mehr als 2000 bestätigte EHEC-Infektionen und Verdachtsfälle in Deutschland, Erkrankungen in 12 Ländern, aber eine mögliche Chance auf ein Heilmittel ist einem weiteren Artikel der Zeitung zu entnehmen.
„Eine Seuchen-Katastrophe ist weiterhin möglich.“ schreibt Der Westen. Der Stern bringt das „Who is who der EHEC Krise“ und beleuchtet den Pfad durch den Behörden-Dschungel.

Tag sechzehn – 04.06.2011

Nach FOCUS-Informationen gilt das Geburtstagsfest des Hamburger Hafens vom 6. bis 8. Mai als mögliche Quelle der EHEC-Epidemie. Die Berliner Morgenpost berichtet, dass eine heiße Spur in ein Lübecker Restaurant führt, in dem 17 Erkrankte gespeist hatten. Gleichzeitig berichtet das Blatt in diesem Artikel Führende Veterinär- und Labormediziner halten es auch für denkbar, dass die EHEC-Erreger ihren Ursprung im Gärsubstrat von Biogasanlagen haben.“ Am gleichen Abend liest man online im SternEhec-Befund in Lübecker Lokal negativ“.

Tag siebzehn – 05.06.2011

Auf Deutsche Welle ist heute zu lesen EHEC-Welle verursacht Klinik-Engpässe“.  Auch FAZ.net berichtet über die angespannte Lage und die Suche nach dem Erreger.
Die aktuelle EHEC Welle kann aufgrund der großen Anzahl Patienten mit HUS (der schweren Verlaufsform) und der nahenden Urlaubszeit möglicherweise zu Engpässen in der Versorgung mit Blutplasma führen. Neben dem DRK rufen Kliniken und Medien zu Blutspenden auf. Auch das Delmenhorster Kreisblatt berichtet hierzu.
Auch die Financial Times greift die Biogasanlagen-Theorie in einem Artikel auf. Welt online greift die 4 wichtigsten Theorien (Biogasanlagen-Theorie, Schmutzwasser-Theorie, Antibiotika-Theorie, Terror-Theorie) zum EHEC Ausbruch auf und berichtet. Aber auch kleine Wunder finden sich in der Presse, wie etwa das gesund per Kaiserschnitt zur Welt gebrachte Baby einer HUS Patientin über das Welt online berichtet.
Eine aktuell neue „heiße“ Spur weist jetzt auf Sprossen als Infektionsquelle hin. Die Lieferwege führen zu einem Betrieb im niedersächsischen Uelzen, wie der Spiegel berichtet.

Diese EHEC Chronologie stellt nur einen kleinen Ausschnitt aus der täglichen Berichterstattung dar.

Fast stündlich erreichen uns neue Nachrichten zur EHEC Epedemie.
Ob die Gefahr einer Seuche unvorstellbaren Ausmaßes eingedämmt werden kann: Wir wissen es nicht.
Folgt man der „Theorie einer absichtlichen Verbreitung“ muss man vermuten, dass es mehr als eine Infektionsquelle gibt.

Ich füge hier noch einmal einige zusätzliche Informationen und eigene Anmerkungen ein.

EHEC – Informationen zum Erreger:

EHEC gehört zum Stamm der E.coli (Escherichia coli) und ist ein säurebildendes (Laktose-positiv), gramnegatives, stäbchenförmiges, Oxidase-negatives und peritrich begeißeltes Bakterium, das im menschlichen und tierischen Darm vorkommt.
Mit diesem Bakterium wurde bereits vielfach geforscht. Es findet in der Gentechnik Anwendung, es hat die Produktion von Insulin für Diabetiker vorangetrieben und selbst bei der Produktion von Bio-Sprit spielt es eine Rolle.

In Wikipedia finden wir den Hinweis:

Einige Stämme von E. coli sind für den Menschen darmpathogen (krankheitsauslösend im Sinn einer Darmerkrankung), da sie Mechanismen besitzen, die dem Körper Schaden zufügen können. Hier unterscheidet man einige Subtypen (Pathovare), die unterschiedliche Pathogenitätsfaktoren besitzen:

Unser derzeitiger Angstmacher setzt sich aus dem genannten EHEC und EAEC zusammen und verblüfft die Mediziner durch seine Agressivität. EAEC tritt vornehmlich in Entwicklungsländern auf. Identifiziert wurde dieser Hybrid, der durch horizontalen Gentransfer entstand und auch als  „Chimäre“ bezeichnet wird, in der Zusammenarbeit deutscher und chinesischer Forscher.
Kurze Zeit später wird bekannt, dass der Erreger bereits bekannt, aber sehr selten ist. Aber wie kam er ausgerechnet nach Deutschland?

EHEC – Informationen zu Eculizumab / Solaris® von Alexion Pharma:

Derzeit versucht man in der schweren Verlaufsform HUS den Antikörper Eculizumab  / Solaris einzusetzen, der für HUS keine Zulassung hat und der darüber hinaus das Risiko einer Meningokokken-Infektion in sich birgt. Aus diesem Grunde sollte eine Behandlung nur nach vorheriger Meningokokken-Impfung erfolgen. Die Hintergründe können Sie Teil eins meines Artikels entnehmen. Auch die Behandlung einer im 5. Monat Schwangernen findet im Rahmen dieses „Experiments“ statt. Die Augsburger Allgemeine berichtete.

Im ersten Teil meines Artikel griff ich die Frage auf, ob man in der „Theorie einer absichtlichen Verbreitung“ möglicher Weise auch Spekulanten betrachten müsste. Ich zeigte die Kursentwicklungen des Herstellers genauso auf, wie die Kaufempfehlung vom 18.5.2011 von Goldman Sachs für die Aktien des Unternehmens.

Profitiert der Hersteller des Wirkstoffs (Alexion Pharma, Handelsname “Soliris®”) selbst von der EHEC Epedemie?

Die Medien berichteten in der letzten Woche, dass Alexion angeboten habe, den Wirkstoff  – von dem eine einzelne Infusion rund 5.500 Euro kostet – kostenlos zur Verfügung zu stellen. Profitieren wird der Hersteller trotzdem zweifach: Einmal dürfte diese Geste das Image des Unternehmens kräftig stärken. Aber was viel wichtiger ist: Hier wird für das Unternehmen eine Studie zur Erprobung des Wirkstoffs für die Behandlung von HUS Patienten durchgeführt. Bei positivem Verlauf dürfte Alexion beste Chancen haben, dass im Anschluss eine Zulassung des Wirkstoffs für HUS erfolgt.

In einem Artikel im Tagesspiegel ist dazu bereits am 30.5.2011 zu lesenDie Ergebnisse bei einzelnen Patienten möchte die Gesellschaft zentral sammeln. „Vonseiten der DGfN möchten wir erreichen, dass wissenschaftlich verwertbare Erfahrungen mit der Substanz gesammelt und publiziert werden können“, heißt es in einer E-Mail an die behandelnden Ärzte. In der Mail heißt es weiter, die Herstellerfirma Alexion Pharma stelle das Medikament kostenlos zur Verfügung.“
Spekulanten dürfte das Geschehen auf jeden Fall  erfreuen.

EHEC Ursachen / Theorien:

Absicht oder unglücklich verkettete Umstände?

Woher kam der EHEC Erreger, der uns mit der aktuellen Epedemie in Atem hält? Nachdem man ihn identifzierte wurde immerhin festgestellt, dass der Erreger nicht neu ist. Er ist nur extrem selten. Wie kam er also nach Deutschland? Der Herd der Seuche liegt ganz offensichtlich in Deutschland und hier vornehmlich in Norddeutschland.

Bisher kann niemand ausschließen, dass diese Krise durch eine absichtliche Verbreitung entstand. Genauso wenig können unachtsamer Umgang in Anbau und Verarbeitung von Lebensmitteln ausgeschlossen werden oder etwa die Folgen von Genmanipulation oder ähnlichem. Werden die Hintergründe aufgedeckt, könnten wir ähnlichen Seuchen vielleicht künftig besser entgegenwirken.

Die Suche nach den Ursachen scheint unkoordiniert und an vielen Stellen einseitig. Ein Politiker äußerte in der letzten Woche, dass man vielleicht die Polizei in die Befragung einbinden sollte. Man könnte jetzt gleich wieder böse Motive vermuten, aber das ist in diesem Fall vielleicht unangebracht. Polizisten sind erfahren darin nicht einseitig nach Ursachen zu suchen. Ein Fragebogen, der neben den verzehrten Lebensmitteln und Restaurantbesuchen alle Aktivitäten der Erkrankten während der Inkubationszeit erfasst, könnte in der persönlichen Befragung und in der Zusammenführung der Ergebnisse neue Erkenntnisse zu Tage bringen.

Eine heiße Spur wurde am heutigen späten Nachmittag verkündet, die auf Sprossen als Infektionsquelle weist. Ist damit die Warnung vor Gurken, Tomaten und  Salat aufgehoben und können die Landwirte aufatmen? Noch gibt es keine offizielle Meldung.

Wir wissen bisher weder woher dieser seltene Erreger-Typ aktuell gekommen ist, noch ob die mögliche Infektionsquelle, ein Betrieb im niedersächsischen Uelzen, die einzige Infektionsquelle sein kann.

Hamburg meldet aktuell einen leichten Rückgang der Neuerkrankungen. Aber das ist nicht das erste Mal. Wir haben schon erlebt, dass auf einen Rückgang am Wochenende ein sprunghafter Anstieg in der Wochenmitte erfolgte.

Sollte man sich nicht nur die Ernährungsgewohnheiten der Erkrankten anschauen, sondern auch ihre Wochenendaktivitäten? Besuchten sie möglicher Weise einen Badesee, ein Schwimmbad o.ä.?

Die Erkrankungsfälle bei unseren europäischen Nachbarn, ja selbst der Erkrankungsfall in den USA lassen sich auf Besuche in Deutschland zurückführen. Die Welt schaut in Sorge auf „die deutsche Seuche“.

Quellen, die über unterschiedliche Theorien berichten, sind hier unter den Stichworten verlinkt:

Genmanipulation Schmutzwasser Bioterrorismus Massentierhaltung Biogasanlagen Wirtschaftlicher Anschlag Pharmaindustrie

EHEC – Informationen zur künftigen Prävention

Die Krise führt auch dazu, dass Präventionsmöglichkeiten erforscht werden. So berichtet Proplanta – das Informationszentrum für die Landwirtschaft – von einem neuen Waschverfahren, mit dem Gemüse schonend von EHEC Erregern befreit werden soll.

EHEC – Erkrankungszahlen Landkarten

Eine Übersicht über die aktuellen Zahlen der EHEC Erkrankten in den Bundesländern innerhalb Deutschlands und eine Europakarte zu EHEC finden Sie bei Nachrichten in Landkarten.

EHEC – Blutspende-Aufruf:

Noch können sich die einzelnen Bundesländer mit Blutkonserven für die HUS Behandlung gegenseitig aushelfen. Da noch kein Ende der EHEC Epedemie in Sicht ist, die Urlaubszeit mit mehr Unfällen näher rückt und die Blutkonserven eine Lagerzeit von 3 – 4 Monaten vor Einsatz haben, könnten die Vorräte knapp werden.
Hier können wir alle etwas tun: Gehen Sie zur Blutspende und helfen Sie Leben zu retten.

Es bleibt zu Hoffen, dass die aktuelle EHEC Epedemie schnell gestoppt wird, sich die Ursachen aufklären und keinen Anlass zu einer Fortsetzungsberichterstattung bieten.