Occupy Düsseldorf 15. Oktober 2011

Occupy am 15. Oktober 2011 weltweit in mehr als 1.000 Städten. Auch in Düsseldorf. Wir waren dabei und es war faszinierend.

Auszug aus einem Artikel in der  RP online:

„Unterstützung erhielten die Demonstranten auch von etablierten Organisationen wie dem Deutschen Gewerkschaftsbund. „Dieser weltweite Protest vieler Tausender vorwiegend junger Menschen ist ein Alarmsignal“, warnte DGB-Chef Michael“

Vielleicht hätte sich der DGB-Chef ausnahmsweise einmal wieder „unters Volk“ mischen sollen. Diese Aussage ist nämlich schlicht weg falsch!

Wieviele Menschen sich in Düsseldorf nun im gesamten Verlauf versammelt haben, ist schwer abzuschätzen. Bei der ersten Versammlung, die vom Hauptbahnhof zum Haus des DGB geleitet wurde, waren es meiner Schätzungnach rund 1.000, beim späteren Marsch bis zur Deutschen Bank auf der Kö, hatte ich den Eindruck, dass es weitaus mehr waren und einige Stellen berichten von rund 3.000 Teilnehmern.

 

Eltern sorgen sich um die Zukunft ihrer KinderInteressant war die Mischung der Menschen.Von ca. 17 bis 75 Jahre, waren alle Altersgruppen vertreten, die ihre Meinung äußern können.

Viele Eltern mit ihren Kindern, zum Teil noch im Kinderwagen.

Und: Unerwartet viele ältere Menschen.

 

Hier traten keinerlei große Gruppierungen auf. Keine Partei drängte sich in der Vordergrund. Es waren viele einzelne Menschen unterschiedlichster politischer Anschauungen und Weltanschauungen, aber in einem waren sie heute EINS: So kann es nicht weitergehen. Es wird Zeit, dass wir wieder den Menschen in den Vordergrund stellen und erreichen, dass den (internationalen) Banken, Investoren, Spekulanten, Konzernen und auch der Politik, die sich in diese Reihe nahtlos eingliedert, die Macht entziehen.

Denn eins eint uns alle: Wir sind die 99 Prozent!

Aber viele haben noch gar nicht so genau mitbekommen, was hier eigentlich gerade geschieht. Stephan Hessel, dieser faszinierende über 90 Jahre alte Mann hat einen Ruf in diese Welt gesandt:

„Empört Euch.“

 

Und er hat allen Grund dazu, wenn man sich seine eigene Geschichte anschaut. Wir sollten ihm danken, dass er den Versuch unternommen hat, uns wach zu rütteln.

 

Es soll keiner sagen, dass wir nicht lernfähig wären, wir Otto-Normal-Bürger. Jahrzehntelang hat sich in Europa so eine Art „versorgt-sein- Mentalität“ entwickelt. Irgendwie lief ja alles und viele haben allenfalls über ihren Alltag, die Familie, den Freundeskreis und den Arbeitsplatz nachgedacht. Nachdem genau das letzte – nämlich der Arbeitsplatz – längst kein Garant fürs Leben mehr ist, haben wir nach und nach, für einige über Jahre fast unbemerkt erlebt, dass sich die Welt verändert hat.

 

Wir haben es ein wenig verschlafen. Wir haben nicht begriffen, dass Demokratie nicht bedeutet, dass wir wählen und dann den Gewählten alles überlassen. Und so hat sich unsere Welt verändert. Ohne das wir es bemerkt haben.
Und wir haben uns gefügt und gedacht „was kann ich daran ändern?“. Wir sind einfach nicht mehr zur Wahl gegangen, weil ja irgendwie alle Parteien nach der Wahl das Gleiche veranstalten. Wir leben in einer Demokratie und fühlen uns machtlos, diese zu leben.

Eine Welle geht durch diese Welt

Stephan Hessel hat, als er sein kleines Essay verfasste, vielleicht gehofft, das sein Ruf gehört wird. Aber ob er mit einem solchen Echo gerechnet hat?

Vom arabischen Frühling zur spanischen Revolution bin hin zu Occupy: Überall auf dieser Welt lassen sich die Menschen berühren von der Idee, dass wir diese Welt wieder für uns Menschen gestalten sollten. Überall können wir sehen, wie Machtstrukturen in der Finanzwelt, in Konzernen und in der Politik sich menschenfeindlich entwickeln und die Armut in der Welt vergrößern.

Aber wer hätte gedacht, dass sich hier in Deutschland soviele Menschen bewegen lassen und im Bewusstsein, dass wir die 99 % Prozent sind, die eine menschlichere Welt wollen, auf die Straße gehen?

Wir sind die 99 Prozent – aber wissen wir wer wir sind?

Am letzten Samstag in Düsseldorf konnten wir uns näher kommen. Es waren sehr viele Menschen unterwegs, die noch nie in ihrem Leben auf einer Demonstration waren. In der Mehrzahl Menschen, die spüren, dass wir alle so nicht weiter machen können und wollen.

Und das betrifft eben nicht nur die Finanzmärkte, es betrifft die Macht der Konzerne und es betrifft fehlgeleitete Politik.

Es waren auch viele Anhänger verschiedener neuer und alter Ideen wie den Regional-Währungen zur Stärkung der regionalen Wirtschaft und der Binnenmärkte, Anhänger der Idee eines bedingungslosen Grundeinkommens, Gegner von elitären Gesprächsrunden im „Geheimen“ und viele weitere. Ein wenig Ordnung brachten die Demo-Erfahrenen Attac-Anhänger in das Gesamtgeschehen, die ebenfalls dem Ruf zur weltweiten Demonstration folgten.

Transparenz und keine Geheimbünde

 

 

Es gibt eine Verbindung zwischen all den einzelnen Menschen, die dem Demonstrationsaufruf folgten und zwischen den Menschen, die sich intensiv mit alternativen Ideen und Modellen befassen: Sie sind leid, dass eine 1 %  Elite in der Lage ist soviel Leid und Not in dieser Welt hervorzurufen.

 

Auf der Suche nach Lösungen für unsere gemeinsame Zukunft

Ein Dialog entsteht zwischen Generationen und NationenUnd so gab es unterwegs sehr viele offen Gespräche, Fragen und eine Suche nach Antworten, die für uns alle gelten könnten. Für 99 % auf dieser Welt. Denn auch Occupy Düsseldorf war und ist keine rein deutsche Veranstaltung. Hier standen Deutsche Schulter an Schulter mit anderen Europäern und auch Bürgern anderer Kontinente. Multi-Kulti ist eben überhaupt nicht tot, auch wenn die Mutti der Nation dies zum Thema machen wollte, um von anderen Problemen abzulenken.

 

Der Dialog aus dem Volk bzw. den Völkern heraus wird fortgesetzt. Occupy geht weiter, auch nach dem 15. Oktober 2011. Ein nächstes Treffen in Düsseldorf ist schon geplant.

 

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