Was Hartz IV und Sanktionen mit Schwarzer Pädagogik und dem Stanford-Prison-Experiment verbinden

Wie der normale Bürger mit einem Beruf und einer Anstellung, die seinen Lebensunterhalt sichert, Hartz IV Empfänger sieht, bestimmen die Mainstream-Medien und Politiker. Die Mehrzahl der Bürger besitzt ein negativ gefärbtes Halbwissen über Hartz IV Empfänger.

Schuld und Sühne im Christentum, oder warum wir oft „so ticken“

Wir leben in einer von christlichen Traditionen und Verhaltensmustern geprägten Gesellschaft, was sich heute allzu zu oft darin widerspiegelt, dass wir bei allem was passiert ausgiebig nach der „Schuld“ suchen, statt nach Lösungen zu suchen. Mit diesen unseren Glaubensmustern spielen seit jeher auch die Mainstream Medien und unsere Politiker.

Solange das Bild der „Sozialschmarotzer“ und „Hartz IV Betrüger“ in der Presse nur lebendig genug gehalten wird, übertragen es die Menschen nur allzugern in ihr Denken, um ihr Gewissen nicht zu belasten. Hartz IV Empfänger sind eben in der Mehrzahl Betrüger und Asoziale … und deshalb selbst schuld und haben es nicht besser verdient.

Damit lässt sich auch verdrängen, wieviele „ganz normale Menschen“, die unglücklicherweise Arbeitslos werden und gerade in der falschen Region leben, den für die Zeit falschen Beruf haben oder einfach schon ein paar Jahre zu alt sind, nach 52 Wochen in Hartz IV landen. Genauso kann man alleinerziehende Mütter oder Väter ausblenden, weil das Bild der Eltern, die Hartz IV „versaufen“ und sich nicht um ihre Kinder kümmern aus der Presse so lebendig ist.

Was aber haben Hartz IV und Sanktionen mit Schwarze Pädagogik und dem Stanford-Prison-Experiment gemeinsam?

Wir blenden allzu gern aus, an wie vielen Stellen die mit Hartz IV veränderte „Sozialgesetzgebung“ die im Grundgesetz verankerten Rechte der Bürger verletzt und wie sehr diese Sozialgesetzgebung in Händen der Fallmanager und Sachbearbeiter zu einem psychischen und existentiellen Druckmittel wird. Die steigende Zahl der psychischen Störungen und Depressionen bei Arbeitslosen und Hartz IV Empfängern spricht eine ganz eigene Sprache.

Aber was versteht man unter Schwarzer Pädagogik und was hat sie mit Hartz IV zu tun?

Unter 25jährige sehen sich in der Gruppe der Hartz IV Empfänger einer besonders harten Behandlung ausgesetzt. Schon kleine Versäumnisse führen oft zu außerordentlich „harten“ Sanktionen, die bis zu 100 % Leistungskürzung / -entzug über drei Monate bedeuten können.

Da junge Menschen selten Rücklagen haben und ein Widerspruch und eine Klage / ein angestrebtes Eilverfahren vor dem Sozialgericht ein wenig Zeit benötigen, führt eine solche Sanktion oft in die Obdachlosigkeit oder auch in die Kriminalität. Zum Überleben gehören Essen und Trinken …

Die gegen sie gerichteten Sanktionen gehören in den Bereich der Schwarzen Pädagogik, weil sie die jungen Menschen nicht mit Respekt und Hilfe in ein eigenständiges Leben führen, sondern sie mit existenziellen Drohungen gefügig (für Niedriglohnjobs oder Zeitarbeit?) machen sollen.

Aus Wikipedia: Schwarze Pädagogik ist ein negativ wertender Sammelbegriff für Erziehungsmethoden, die Gewalt und Einschüchterung als Mittel enthalten. Der Begriff wurde 1977 von der Soziologin Katharina Rutschky mit der Veröffentlichung eines Buches unter gleichem Titel eingeführt.

Schwarze Pädagogik zielt nach Katharina Rutschky auf die Installation eines gesellschaftlichen Über-Ichs im Kind, auf die Heranbildung einer grundsätzlichen Triebabwehr in der Psyche des Kindes, die Abhärtung für das spätere Leben und die Instrumentalisierung von Körperteilen und Sinnen zugunsten gesellschaftlich definierter Funktionen.

Unausgesprochen dient die Schwarze Pädagogik der Rationalisierung von Sadismus und der Abwehr eigener Gefühle des Erziehers oder der Bezugsperson. Die Schwarze Pädagogik bedient sich dabei der Mittel des Initiationsritus (z. B. Verinnerlichung einer Todesdrohung), der Hinzufügung von Schmerz (auch seelischem), der umfassenden Überwachung des Kindes (Körperkontrolle, strenger Verhaltenskodex, Forderung unbedingten Gehorsams), der Tabuisierung von Berührung, der Versagung grundlegender Bedürfnisse und eines übertriebenen Ordnungsdrills.

In gewisser Weise greift die Schwarze Pädagogik auch bei Erwachsenen Hartz IV Empfängern. Auch Sie werden eingeschüchtert und existentiell bedroht. Aber hier spricht man natürlich nicht von (Um-)Erziehung.

Das Stanford-Prison-Experiment

Wer den Film „Das Experiment“, ein deutscher Film und Psycho-Thriller von Oliver Hirschbiegel aus dem Jahr 2001, gesehen hat, kennt annähernd die Hintergründe und Geschehnisse des Stanford-Prison-Experiments, wenn sie auch im Film ein klein wenig anders umgesetzt wurden.

Aus Wikipedia: Das Stanford-Prison-Experiment war ein psychologisches Experiment und als solches ein Meilenstein der psychologischen Erforschung menschlichen Verhaltens unter den Bedingungen der Gefangenschaft, speziell unter den Feldbedingungen des echten Gefängnislebens. Der Versuch wurde 1971 vom amerikanischen Psychologen Philip Zimbardo an der Stanford University durchgeführt. Das ursprünglich für zwei Wochen geplante Experiment wurde bereits nach sechs Tagen vorzeitig abgebrochen.

Was in diesem Experiment passierte und warum es frühzeitig abgebrochen werden musste, können Sie über den oben eingefügten Wikipedia-Link nachlesen.

Hartz IV, die unscharfe SGB-Gesetzgebung, die Sanktionsmöglichkeit, der Sozialdienst zur „Überprüfung“ der Verhältnisse – all das in den Händen von Fallmanagern und Sachbearbeitern führt in den Jobcentern allzu häufig in ähnliche Situationen, wie im Stanford-Prison-Experiment.

Die „Kunden“ der Jobcenter, die Hartz IV Empfänger, reagieren sehr oft wie die Gefangenen im Experiment: mit psychischen Störungen und Depressionen.

Die Fallmanager und Sachbearbeiter verhalten sich ähnlich wie die Wärter im Experiment: sie üben das Spiel mit ihrer Macht, für die sie am Ende keine Verantwortung tragen müssen, denn sie werden dafür niemals persönlich haftbar gemacht.

Da kann man auch mal eben beim Vermieter oder ehemaligen Vermieter eines Hartz IV Empfängers anrufen, um zu klären ob Warmwasser in den Heizkosten enthalten ist oder die Kaution einer verlassenen Wohnung nicht früher zurückgezahlt werden kann. Ungeachtet der Tatsache, dass damit das Recht auf informelle Selbstbestimmung des Empfängers verletzt wird und er damit vor dem (ehemaligen) Vermieter und möglicher Weise weiteren Personen als Hartz IV Empfänger bloß gestellt wird.

Und das ist nur eine der Rechte-Verletzung, die Hartz IV Empfänger ständig erfahren.

Machen Sie sich selbst ein Bild und stehen Sie Ihren Mitmenschen zur Seite, vor allem, wenn sie Hartz IV Empfänger sind.

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