Warum heißt es eigentlich noch Ehrensold und nicht einfach staatliche Alimente

Eigentlich müsste ich täglich fünf Artikel schreiben, aber die Zeit reicht irgendwie nicht …

Ehrensold

Was sagt dieses Wort, mit dem die Weiterzahlung der Bezüge für einen scheidenden Bundespräsidenten benannt wird, eigentlich aus? Sofort – wenn wir uns mit diesem Wort oder der Wortzusammensetzung befassen – beginnen wir eine Werte-Diskussion. Technisch betrachtet bin ich wohl ein sehr fortschrittlicher Mensch, aber was (menschliche) Werte betrifft, bin ich sicher stockkonservativ.

Ehre … Vielleicht hatten wir mit Herrn Wulff am Ende den Bundespräsidenten, den wir verdienen. Einen Mann, der uns vor Augen führt, dass kleine Vorteilnahmen sich durch alle Bevölkerungsschichten ziehen, außer durch die, die man per ALGII bereits weitestgehend zur „gläsernen, rechtlosen Schicht“ degradiert hat.

Ein bisschen Mauschelei bei der Steuererklärung, einen Versicherungsschaden melden, der keiner ist, zuviel Wechselgeld an der Supermarktkasse erhalten und eingesteckt, oder in einen geilen Fond investiert, der viel Gewinn verspricht und andere Menschen ihrer Lebensgrundlage beraubt. Lauter kleine Kavaliersdelikte.

Dabei wünscht sich die Mehrzahl von uns mehr Ehrlichkeit, mehr Mitmenschlichkeit …

Schon die Diskussion um die möglichen Verfehlungen unseres Herrn Wulff war eine Werte-Diskussion. Sicher, er hätte mit dem, was bisher aus seiner Vergangenheit bekannt wurde, das Amt des Bundespräsidenten ablehnen müssen. Aber: Finanziell betrachtet war es seine Rettung und ist es immer noch.

Er erhält, trotz kurzer Amtszeit und unrühmlichen Verhaltens vor seiner Präsidentschaft nun einen lebenslangen Ehrensold in Höhe von 199.000 Euro sowie Sach- und Personalkosten für Büro mit Sekretariat, persönlichen Referenten und Chauffeur, die durchschnittlich bei 280 000 Euro im Jahr liegen.

479.000 Euro jährlich für den guten Herrn Wulff, bis an sein Lebensende und das ist noch ein Stückchen hin. Nicht zu vergessen noch einmal 479.000 Euro für den Vorgänger, der auch nicht zum ältesten Semester gehört. Das macht schlappe 958.000 Euro jährlich neben den Bezügen des künftigen Bundespräsidenten.

Und dann nennt man das ganze auch noch Ehrensold?

Von welcher Ehre sprechen wir hier eigentlich noch? Wie wäre es denn langsam mal mit einer Umbenennung in staatliche Alimente oder bedingungslosem Grundeinkommen für Größenwahnsinnige, oder Hartz IV auf allerhöchstem Niveau. Aber Ehrensold? Das versteht doch kein Mensch mehr.

Jungen Menschen unter 25 Jahren kann ganz schnell das Existenzminimum um 100 % gekürzt werden, was dem Grundgesetz widerspricht und sie dazu verdammen kann obdachlos zu werden, zu verhungern oder wenn sie genügend Überlebenswillen haben, zu klauen, damit sie nicht verhungern. Wenn sie noch bei Mama und Papa leben, werden die gleich mit in Sippenhaft genommen, weil sie für den fehlenden Mietanteil von Sohn oder Tochter aufkommen müssen, wenn nicht alle obdachlos werden wollen. Hungern oder auf der Straße schlafen?

Wie steht es in diesem Staat denn mit der „Verhältnismäßigkeit“?

Was wird uns da von oben präsentiert und welche Schlüsse müssen wir daraus in Bezug auf unsere (nicht mehr vorhandene) Demokratie eigentlich ziehen? Wir haben eine Schuldenbremse und müssen sparen. Ja wir! Haben Sie das denn immer noch nicht verstanden? Nicht unsere Politiker müssen sparen, wir müssen sparen, so wie ja auch wir die „Pro-Kopf-Schuldner“ dieses Staates sind wildstar gold.

Und jetzt müssen wir eben noch ein wenig mehr sparen. Vor allem im sozialen Bereich. Wer kann sich denn noch Hartz IV und beheizte, frisch renovierte Klassenräume oder zuviel Rentenzahlungen leisten, wenn wir – wieviele doch gleich – Bundespräsidenten und ehemalige Bundespräsidenten finanzieren müssen.

Also dann liebe Mitbürger: Gürtel enger schnallen, Heizung runter drehen und warm anziehen, denn mit dieser Regierung und der derzeitigen Politik, werden wir wohl noch ein wenig mehr sparen müssen, um diesen Irrsinn weiter zu finanzieren.

Also machen Sie es gut, bleiben Sie immer schön ehrlich und haben Sie Mitgefühl mit denen, denen es schon nicht mehr so gut geht, wie Ihnen.

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